de.lifestyle.yahoo.com - 6.11.2010

Veröffentlicht auf von Blacklady

"Bill Kaulitz und Wolfgang Joop" - Ich bin Romy, du Delon

In Los Angeles, sagt Wolfgang Joop, sei ja nun wirklich "nix los". Und überhaupt seien die Amis nicht an kontinentaler Kunst, sondern nur an Euro-Devisen interessiert. Ein bisschen unfair ist das schon. Hat sein Gast Bill Kaulitz doch gerade erst öffentlich angekündigt, er wolle mit Bruder Tom alsbald in die Westküstenmetropole ziehen. Vermutlich steckt aber nur besondere Fürsorge hinter der Bemerkung. Schließlich macht der Modedesigner im Laufe des Films aus der ARTE-Reihe "Durch die Nacht mit ..." mehr als einmal deutlich, dass er in dem Tokio-Hotel-Frontjungen sein jüngeres Selbst erblickt, wenigstens aber einen androgynen Geistesverwandten.

Dass Deutschlands Glamourpresse von dem Pariser Treffen der beiden schon weit vor der Ausstrahlung eifrig berichtete, ist bei Ansicht des wieder einmal trefflichen Beitrags (Regie: Cordula Kablitz-Post und Outi Turunen) übrigens begreiflich. Am Rande der Joopschen Modenschau im Rahmen der Pariser Fashionweek hetzen genügend Journalisten durchs Bild. "We were together the whole night", berichtet der Musiker stolz. Man zeigt sich allseits erfreut und interessiert.

Kennengelernt hatten sich Kaulitz und Joop aber schon am Abend zuvor. Beide sind vorab bestens über den Werdegang des anderen informiert - und voll des Lobes. Beide kommen aus der ostdeutschen Provinz, beide wussten schon in jungen Jahren, dass sie dort später nichts halten wird.

Das erste gemeinsame Touri-Ziel ist standesgemäß: Trotz der Bombendrohung irgendwelcher Terrorfrauen (Joop: "wahrscheinlich aus Penisneid") geht's todesmutig auf den Eifelturm. Joop, der inzwischen ausschaut wie Helmut Berger, kommt sich vor wie in einem Nouvelle-vague-Film. "Du bist Alain Delon, ich bin Romy Schneider", sagt er. Es ist eine seiner subtileren Zweideutigkeiten an die Adresse des jungen Begleiters.

Er sei ja eigentlich sehr kamerascheu geworden, sagt der Ältere später im Taxi. Sein Abbild, an das er sich 20 Jahre gewöhnt habe, das gefalle ihm nun nicht mehr. Vor allem seine Augen spiegelten unverhohlen, dass sie zu viel gesehen haben. Ein Dorian Gray! Ach Gottchen. Kaulitz nickt gnädig und punktet beim altmodischen Künstlerkollegen in der Brasserie mit Multimedia-Skepsis. Wenn er dieses Internet abschalten könnte, sagt Kaulitz, er würde es tun. Kaum macht man was, schon weiß es die Welt und entweiht die magische Kunst mit schnöden Kommentaren. Wie zum Beleg lungern vor der Tür gleich mal ein paar Teenies mit Handykameras - sowie ein Schwung Paparazzi mit ungleich schwererem Gerät.

Die selige Stimmung können die aber nicht mehr trüben. Kaulitz schwärmt von Bowie, Joop von Kaulitz. Ein toller Kerl sei das und ein prächtiges Model, diktiert der Designer am nächsten Tag der Bussi-Presse in die Blöcke. Die Telefonnummern wurden getauscht. Mal sehen, was daraus wird.
Ausstrahlung am 07.12.2010 um 23:55 Uhr auf ARTE

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